5 Jahre 1. RCG

Eine kleine Feier und ein großer Auftritt...

Ein Bericht aus der Zeitschrift Sportissimo der Ausgabe Winter 2005

Es war alles andere als ein gewöhnliches Wochenende für den 1. RCG, das erste Dezember-Wochenende. Der Club präsentierte sich zum einen nach der Pause 2004 wieder mit einem Märchen auf Rollschuhen und feierte zum anderen parallel am 2. Advent in kleinem Rahmen die fünfjährige Selbstständigkeit.

Fünf Jahre – für einen Sportverein kein Zeitraum, über den in der Regel geredet oder geschrieben wird. Im Fall des 1. RCG allerdings ist es durchaus angebracht, die Ausnahme von der Regel zu machen. Hieß es doch ab 2000 auf eigenen Beinen zu stehen, die gesamte Verantwortung zu tragen, nicht länger als Abteilung in der sicheren Obhut eines größeren Vereins zu sein. Selbst Wohlmeinende hielten die freundschaftliche Trennung der Rollkunstlaufsparte vom Stammverein Tuspo 61 für, nun ja, ziemlich verwegen. In einer Zeit, da Konzentration angesagt war, kleine Clubs Unterschlupf bei größeren suchten, ging die Abteilung unter Führung von Dietlinde Limbach den umgekehrten Weg.

„Skeptische Gesichter“ habe es seinerzeit „hier und da gegeben“, erklärte die heutige 2. Vorsitzende des 1. RCG auf dem kleinen Empfang im Schützenhaus. Doch rückblickend sei es der „richtige Schritt in die richtige Richtung“ gewesen. „90 Prozent unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Sie haben ganz andere Bedürfnisse als Erwachsene.“ Ihnen Rechnung zu tragen gelänge besser in einem Verein, in dem nicht die Erwachsenen dominant seien.

Großartige Jugendarbeit

Wie ausgezeichnet das Verhältnis zwischen der ,verlorenen Tochter‘ und dem ,Elternhaus‘ geblieben ist, verdeutlichten die Worte des Tuspo-Vorsitzenden Günter Berg: „Wir sind ein bisschen stolz, was aus euch geworden ist. Ihr habt euch gut entwickelt.“ Und sodann lobte der SSB-,Finanzminister‘ explizit „eure großartige Jugendarbeit“ (90 Prozent der Mitglieder sind bekanntlich jüngere und reifere Jugendliche). „Ihr wart sehr mutig, euch aus der Umarmung zu lösen, aber ihr habt alles richtig gemacht“, attestierte Marianne Purrmann aus Hannover, die die Glückwünsche des Landesfachverbandes übermittelte.
An einem Jubiläumstag ist es guter Brauch, sich bei den vielen fleißigen treuen Helfern zu bedanken. „Eltern, unsichtbare Stützen und den Förderverein“ nannte Dietlinde Limbach stellvertretend für viele andere. Aber es gab nicht nur nette Worte, sondern auch ein sichtbares Zeichen der Dankbarkeit. Ist es für gewöhnlich Praxis, dass meist Vereinsmitglieder im fortgeschrittenen Alter in den Genuss einer Ehrennadel kommen, so hatten sich die RCG-Verantwortlichen eine Variante ausgedacht: Fünf-Zehn-Fünfzehn lauteten die drei magischen Jahreszahlen. Wobei die Zugehörigkeit zur Tuspo-Abteilung eingerechnet wurde. Auf diese Weise erhielten zahlreiche Jugendliche die Ehrennadel ihres Clubs. Als Anerkennung und zugleich als Ansporn für ein weiteres Engagement. Sei es aktiv auf dem Parkett oder am Rande als Übungsleiter.

Goldene Ehrennadel

Alle Ausgezeichneten aufzuzählen, würde den zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen. Stellvertretend seien daher die von Dietlinde Limbach und Schatzmeister Horst Bernt mit der goldenen Nadel Geehrten genannt: Silke Bode, Hanns-Rudolf Lichtel, Dietlinde, Karin und Dr. Peter Limbach (der zudem zum Ehrenmitglied ernannt wurde), Jannina Gehrke sowie Katrin Pass. Zu den beiden Letztgenannten, den ehemaligen Formationsweltmeisterinnen, sei eine Anmerkung erlaubt: Obwohl beruflich in die niedersächsische Landeshauptstadt verschlagen, halten sie ihrem 1. RCG die Treue. Bei Peter Pan gehörten sie selbstverständlich zum Ensemble.

Und jenes war in der Godehardhalle einmal mehr ein zahlenmäßig großes. Dabei ist es die absolute Stärke der 1. Vorsitzenden Karin Limbach (Inszenierung und Produktion), dass sie es immer wieder aufs Neue versteht, die Teamleistung in den Blickpunkt zu rücken, den Jüngsten kleine Auftritte vor großer Kulisse ins Drehbuch zu schreiben, um sie am Erfolgserlebnis teilhaben zu lassen. Und das es auch diesmal eines war, dafür gibt es neben der Einzelmeinung eines Schreibers einen weitaus schlagenderen Beweis: Sechsmal Peter Pan, sechsmal volles Haus. Das erfreute alle Involvierten, das erfreute gewiss die Sponsoren. Ihre Unterstützung fiel wahrhaft auf fruchtbaren Boden.

Mit viel Fantasie und großem Enthusiasmus

Wie die sterile Atmosphäre einer Sporthalle mit viel Fantasie und großem Enthusiasmus in eine anheimelnde verwandelt werden kann, das erlebte das Publikum wiederum bei Peter Pan, dem Jungen, der nicht erwachsen werden möchte. Ein zauberhaftes Bühnenbild, mit viel Liebe und Sorgfalt zum Detail entworfene und geschneiderte prachtvolle Kostüme, eine abermals mit viel Feingefühl zusammengestellte Musik von Michael Bertram, gesprochene bzw. gesungene Texte der Darsteller, hübsche Szenenbilder mit schwungvollen Läufen – das alles zog die Zuschauer in den Bann. Sie bedankten sich Mal um Mal mit prasselndem Applaus. Die Rollkunstläuferinnen quittierten ihn mit dankbarem Lächeln.
Auffällig: Die Ausdruckskraft der Aktiven. Gleich ob Wiebke Schmidt als Peter Pan, Wiebke Lange als Wendy, Jannina Gehrke als Smee oder Hendrik Kulle als Käp’ten Hook, um ein paar herauszugreifen. Ein Liebling, vor allem der ganz jungen Zuschauer: Das mit der mächtigen Schwanzflosse ,wedelnde‘ Krokodil (Ernst-August Hesse).

2006 kehren sie zurück

Nun: Für dieses Jahr ist Peter Pan samt Wendy, Käp’ten Hook, den Winterkindern, Sternen und Feen und all den anderen ins ,Nimmerland‘ gerollt. Am ersten Dezember-Wochenende 2006 kehren sie zurück in die Godehardhalle. Zum 60. Geburtstag des Rollkunstlaufens in Göttingen.

 

Hier ist der Originalbericht im Sportissimo Winter 2005 geschrieben von Holger Vorrath